Familienrüstzeit 2026

Beglückt und gestärkt von geistlichem Wochenende

Um es vorweg zu nehmen, es war ein wunderbares Wochenende. Beglückt und gestärkt trennten sich die Wege der Familien am Sonntag nach dem Gottesdienst mit der Gewissheit an einem besonderen Ort wertvolle gemeinsame Tage verbracht zu haben.

 

Am Freitagnachmittag bei herrlichem Sonnenschein trudelten die Familien aus allen Himmelsrichtungen auf Ettersburg ein. Ein kurzer Blick in den Park und die berühmte Waldschneise, die sich vor dem Schloss erst steilabwärts dann bergaufwärts erstreckt, den „Pückler-Schlag“ und schon begann das offizielle Programm mit einer Andacht in der Schlosskirche, die Familie Scholtissek sehr feierlich und inhaltsreich zu gestalten wusste. Danach trafen wir uns zum Abendessen im Restaurant des neuen Schlosses, wo uns bei großer Wiedersehensfreude überraschend schmackhafte und frische Speisen erwarteten und ein erster Austausch und erste eingehende Gespräche möglich wurden.

Nach dem Essen verlagerte sich die Gemeinschaft teils an die frische Luft, teils in die Wildküche des alten Schlossen, wo bei Kaminfeuer und einem Glas Wein rasch eine muntere Stimmung aufkam, letztlich aber alle Generationen doch vor Mitternacht ihre Betten in den sehr geschmackvoll renovierten Zimmern des alten Schlosses aufsuchten.


 

Am Samstagmorgen war entgegen der Wettervorhersage erneut wunderbares Sommerwetter, was Einige für einen ausführlichen Waldlauf nutzen. Spätestens zu dem sehr reichlichen Frühstück fanden wir wieder zusammen und stiegen danach gut gestärkt in das Programm des Tages ein: Die Jugendlichen folgten Gräfin Olga v. Lüttichau in den großen Gewehrsaal, wo sie nicht nur den Tanzkurs leitete, sondern auch praktische Werte und glaubensstärkende Inhalte vermittelte. Ritterbrüder und Damen begaben sich mit unserem Ordenspfarrer, Matthias Porzelle, in einen Seminarraum zur geistlichen Arbeit zum Thema Jesaja.

 


Wir erhielten eine topographische und historische Einweisung in die Lebensumstände Jesajas, eine Übersicht über die großen und kleinen Propheten, die Namen der Letzteren kann Matthias Porzelle übrigens in 3 Sekunden herunterrattern, was wirklich lustig klingt und über das Buch Jesaja, das sinnvollerweise dreigeteilt betrachtet werden sollte.

Der erste Teil (Kapitel 1–39) spielt zu Jesajas Lebzeiten und enthält Jesajas Worte vor dem babylonischen Exil. Der zweite Teil (Kapitel 40–55) stammt aus der Zeit während des Exils. Der dritte Teil (Kapitel 56–66) erzählt aus der Zeit nach dem Exil. Es gibt daher, grob gesagt, sowohl den mahnenden Jesaja (Teil 1) und den tröstenden bzw. hoffnungsspendenden Jesaja (Teil 2,3).Zur Botschaft des Jesaja gibt es folgendes zu sagen: Gericht und Gottes Heiligkeit: Jesaja sah Gott als absolut heilig. Er kündigte an, dass Gottes Gericht über ein sündiges Volk kommen wird, versprach aber auch, dass ein „heiliger Rest“ überleben wird (Hauptbotschaft Buch 1).

Trost und Erlösung:  Das Hauptwort wechselt von Strafe zu Trost. Der Prophet verkündet, dass die Zeit der Sklaverei vorbei ist und Gott sein Volk nach Hause führen wird (Hauptbotschaft Buch 2). Hoffnung auf Vollendung: Der Prophet ermahnt das Volk, sich an Gottes Gebote zu halten. Er öffnet den Blick dafür, dass Gottes Heil nicht nur für Israel gilt, sondern für alle Völker (Hauptbotschaft Buch 3)

Unter der hervorragenden Moderation von Matthias Porzelle entstand eine äußerst angeregte und differenzierte Diskussion zu verschiedenen bekannten Jesaja-Versen und auch ein geistiger Ausflug zum Thema „Heutige Propheten“ war möglich.



 Am Nachmittag stand ein Spaziergang auf dem Programm. Wir erklommen erst den „Pückler-Schlag“ und liefen danach die „Zeitschneise“ durch den Wald bis zum Zaun des Konzentrationslagers Buchenwald, bzw. nach 1945 dem Zaun des „Sowjetisches Speziallager 2“. Am Scheitelpunkt des „Pücklerschlages“ wurden 1808 für die sogenannte Kaiser-Jagd, 9 Jagdschneisen in Sternformation in den Wald getrieben. An der Jagd nahmen Napoleon, Zar Alexander I. sowie Könige aus Bayern, Sachsen und Württemberg teil. Oben angekommen hatten wir somit ein kontrapunktisches Erlebnis zu Ettersburg. Einige Jugendliche besuchten dort auch eine der Ausstellungen und machten sich dann allein auf den Rückweg in die Zivilisation.


Der Abend wurde mit einer erneuten Andacht in der Schlosskirche eingeleitet, die Familie Porsch auch mit romantischen Abendliedern sehr stimmungsvoll gestaltete. Danach war eventuell noch verbliebene Buchenwald-Nachdenklichkeit endgültig abgelegt und wir versammelten uns zum gemeinsamen Grillbuffet. Danach wurde Federball und „Wikinger-Schach“ auf den Rasenflächen gespielt und anschließend standen Tanz und Geselligkeit im Gewehrsaal auf dem Programm. Hier konnten wir auch den von den Kindern einstudierten Troika-Tanz bewundern und natürlich bis in die Morgenstunden selber mittanzen.

Nach dem Frühstück am Sonntag war noch Zeit zum ausklarieren, bevor wir uns zum Gottesdienst in der Schlosskirche zusammenfanden. Hierzu beehrte uns auch unser Kommendator, Cal-Albrecht Bartmer, mit seiner Anwesenheit. Er kam sportlich mit dem Motorrad vorgefahren, während der Organist für den Gottesdienst verschwitzt auf einem alten Damenfahrrad in letzter Minute vorfuhr, den Weg von Weimar hoch nach Ettersburg hatte er wohl etwas unterschätzt.

 

Der Organist war dann aber eine wirkliche Offenbarung, die Peternell-Orgel der Schlosskirche erlebte sicherlich eine ihrer freudigsten Minuten.

Der Gottesdienst mit Abendmahl war äußerst feierlich. Matthias Porzelle hielt überraschenderweise die gleiche Predigt wie vor 25 Jahren bei seiner eigenen Ordination. Das war einige Tage nach den Anschlägen des 11. September und der Predigttext stammte aus Jesaja. Erstaunlicherweise passte die Predigt nicht nur wegen Jesaja, sondern auch inhaltlich perfekt in die jetzige Zeit.

 

Es gab zum Ende noch das obligatorische "Klassenfoto" vor der Kulisse des schönen Parks, bevor wir uns mit Vorfreude auf das nächste Familienwochenende, voneinander verabschiedeten. (Text: Sebastian v. Kügelgen, Fotos: privat)